Mit empathischem Denken und Handeln tust Du nicht nur anderen Menschen, sondern auch Dir selbst Gutes – und zwar auf mehreren Ebenen! In unseren Medien taucht oft der Begriff der ‚Ellenbogengesellschaft‘ auf. An vielen Stellen wird gefordert, dass in Zeiten eines ‚Haifischkapitalismus‘ die Menschen wieder empathischer werden sollten. Doch was genau ist Empathie und kann Empathie erlernt werden oder ist man von Natur etwas mehr oder weniger empathisch?

Empathie bedeutet Einfühlungsvermögen:

Sich in andere Menschen hinein fühlen, das tun wir vermutlich öfter, als wir denken. Denn wir sind soziale Wesen und aufeinander angewiesen.

Joachim Bauer, Professor für Psychosomatische Medizin, sagt in seinem Buch ‚Prinzip Menschlichkeit: Warum wir von Natur aus kooperieren‘: „Kern aller menschlichen Motivation ist es, zwischenmenschliche Anerkennung, Wertschätzung, Zuwendung oder Zuneigung zu finden und zu geben.“ Empathie ist also eine sinnvolle „Technik“ für die eben genannten Punkte.

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Doch welche Vorteile bringt es konkret, empathisch zu sein?

Wer empathisch handelt, der handelt auch rücksichtsvoller. Denn er versucht, sich in die Lage der Anderen hineinzuversetzen und kann so einen anderen Maßstab für sie ansetzen, als nur den eigenen. Dies kann dann auch für sich selbst eine Bereicherung sein.

Gerade in Gruppenkonstellationen – egal, ob auf der Arbeit, in der Schule, in der Uni, in Vereinen, in der Familie, etc. – kann ein rücksichtsvollerer Umgang eine positive Grundstimmung schaffen und das gemeinsame Ziel einfacher und harmonischer erreichen lassen.

Menschen, die empathisch handeln, tragen zu einer besseren Gruppenharmonie bei, die sich positiv auf jeden einzelnen Gruppenteilnehmer auswirkt und somit die Gesundheit steigert. Gleichzeitig sind Menschen soziale Wesen, die auf gegenseitiges Verständnis und Akzeptanz angewiesen sind. Ohne Empathie ist dies nur begrenzt möglich.

Außerdem kann Empathie Konflikte entschärfen und damit zwischenmenschlichen, emotionalen Stress verringern – und Missverständnisse ausräumen oder relativieren.

So äußert sich Empathie – und so kannst Du sie steigern

Empathie ist zwar in uns angelegt, aber wir können sie zu jederzeit aktivieren und Techniken erlernen, wie wir sie in uns entfachen können. Wir zeigen Dir, wie diese Techniken aussehen können, damit auch Du Dein Potential entfalten kannst:

  1. Dem Gegenüber wirklich Zuhören. Hörst Du wirklich zu oder bist Du mit den Gedanken eigentlich schon längst woanders? Wenn einander mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird, lassen sich Missverständnisse ganz einfach vermeiden.
  1. Nachfragen: den Anderen versuchen zu verstehen. Zeige dem Anderen Dein Interesse und hake mal nach. Indem Du nachfragst, musst Du Dir automatisch Gedanken über die Gedanken Deines Gegenübers machen und bist so mehr im Gespräch drin.
  1. Die Lage und die Sorgen des Anderen nochmals in seinen eigenen Worten wiedergeben. So gibst Du Deinem Gegenüber zu verstehen, dass Du wirklich zugehört hast und er/sie Dir wichtig zu sein scheint. Auch hier wieder wie beim vorigen Punkt: wenn Du das Gesagte des Anderen versuchst in Deine Worte wiederzugeben, musst Du Dich zwangsläufig mit den Gedanken des Anderen auseinandersetzen und beginnt ihn/sie besser zu verstehen.
  1. Sich selbst beobachten: Stelle Dir vor, als ob Du derjenige bist, der seine Gedanken anderen Menschen teilen möchte; wie würdest Du Dir wünschen, dass Andere reagieren? Und reagierst Du gerade in dem Gespräch auch so, wie Du es Dir von Anderen wünscht?

→ Wie Du siehst, ist es oft so, dass man keine Antwort geben muss, sondern besser die richtigen Fragen stellen sollte.

Die Frage, die Dich empathisch handeln lässt, lautet:

Wie wünschst Du Dir, dass Menschen mit Dir umgehen und forderst Du nur, oder trägst Du wirklich zu einem besseren Miteinander bei?

Sei Dir dieser Frage bewusst und fange bei Dir selbst an und sei Dir selbst und Anderen ein Vorbild.

Wir Menschen sind soziale Wesen - daraus ziehen wir Kraft und Bestätigung.

Wir Menschen sind soziale Wesen – daraus ziehen wir Kraft und Bestätigung.

Aber Vorsicht: zu viel Empathie kann sich auch negativ auswirken:

Sich der Sorgen des Anderen annehmen ist nicht immer angenehm und kann einen auch zu sehr mitnehmen und belasten – und den eigenen Standpunkt blockieren.

Es ist wichtig, sich bewusst zu werden, dass jeder Mensch, auch man selbst, Egoismus und aber auch Empathie in sich trägt. Vielleicht sind wir sogar in unserer Empathie egoistisch? Entscheidend ist allerdings folgendes: Du bist so wie Du bist. Akzeptiere Dich und versuche nicht etwas zu sein, das Du gar nicht sein möchtest und demnach auch auf Dauer gar nicht sein kannst.

Gibt es also ein Schachmatt der Emotionen, versuche, mit allen Beteiligten den Blick auf das Wesentliche zu lenken und Kompromisse, aber eben auch konkrete Schritte zu finden. Hier können im Zweifelsfall der Rat Unbeteiligter oder ein sachliches Brainstorming zur Analyse der Situation helfen.